Janko Belaj und das Foto des Absurden
(Marijan Grakalić, für den Ausstellungskatalog)
“die Schale einer längst gegessenen Banane
auf den Tisch geworfen
neben einer keramischen Vase verwelkter Mimosen
behauptet: Ich habe meine Flügel verloren”
(Silvija Šesto)
Die oben angeführten Verse inspirierten Janko Belaj zu der Fotografie “Verwelkte Mimosen”, die sich als zentrales Werk der gesamten Ausstellung hervorhebt – auch wenn die übrigen Arbeiten in ihrer grundlegenden Intention, als Zeugnisse der stets aktuellen und absurden Empfindung des “In-die-Welt-Geworfenseins”, keineswegs zurückstehen. Dieser Anachronismus wurde von Schriftstellern und anderen Künstlern der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, versammelt um das Theater des Absurden, gerne aufgegriffen; zu seinen Hauptvertretern zählten Albert Camus, Samuel Beckett und Ionesco. Auf seine eigene Weise folgt Belaj der dort vorherrschenden Sensibilität. Sinnlose Beobachtungen einfacher Handlungen und Vorgänge, die Banalität des Alltäglichen, werden in seinen Fotografien zum Gegenstand künstlerischer Intervention, zum Spiel mit der Mechanik des Lichts. So wird die alte, wohlbekannte Beklemmung in Fotografien meist unbelebter Natur bezeugt – die nach den Worten des Autors weder Arbeit noch Leben sind.
In gewisser Weise folgt das fotografische Verfahren Belajs in diesem Zyklus den Hinweisen, die bereits in seiner früheren Ausstellung “Essen und Trinken” (2013) zu erkennen waren, in der er ebenfalls mit den Einfällen des Absurden bei der Darstellung gastrosophischer Delikatessen kokettierte. Schon damals verlangte seine Fotografie die Einbeziehung des Betrachters, damit das Bild – oder vielmehr seine Botschaft – zumindest metaphorisch “vollendet” werden konnte. Eine Fotografie von Hähnchenschenkeln auf einem Teller ist schließlich keine Hühnersuppe, könnte es aber natürlich werden. Im aktuellen Zyklus “Was ich tue, wenn ich nichts tue” ist der Zugang des Autors jedoch weit raffinierter und subtiler. Die Idee eines gedanklichen oder künstlerischen “Vollendens” oder “Bezeugens” wird aufgegeben. Stattdessen präsentiert sich jede Szene in einer saftigen, zugleich ästhetisch vollkommenen Sinnlosigkeit – als konstative Feststellung, dass die Klischees, die wir wahrnehmen, lediglich eine Abfolge von Absurditäten sind, die uns umgeben.
Die fotografischen Verfahren, um die es hier ebenfalls geht und die versuchen, die gewohnte Vorgehensweise der künstlerischen Fotografie aufzubrechen, erwähnt der Autor selbst – etwa in Beispielen wie der Frage, ob eine LED-Lampe zur Ausleuchtung einer Szene ausreicht oder ob ein billiges Vergrößerungsglas aus einem Lötset zum Bildausschnitt genügen kann. Selbstverständlich führt Belaj dies mit großer Präzision und Perfektion aus; doch wie im Drama des Absurden dienen diese Mittel dazu, die eingefahrenen Weisen des Fotografierens – teils auch radikal – aufzubrechen, um nicht nur auf gedanklicher, sondern auch auf technischer Ebene zu jenem anzukommen, was angestrebt wird: zu einem unkonventionellen bildnerischen Ausdruck, der alles fotografiert – das Reale ebenso wie das Unreale.