Janko Belaj

kunstfotograf

Mein Hut & Straßenkunstfotografie in Zagreb

(Draženka Jalšić Ernečić, leitende Kuratorin)

Mit dem fotografischen Zyklus “Mein Hut” richtet Janko Belaj seine Arbeit auf die konzeptuelle Frage des Existenzialismus sowie auf die Technik der schwarzweißen Street-Art-Fotografie. Belaj war fast zwei Jahrzehnte lang als Grafikdesigner sowie als kommerzieller und dokumentarischer Fotograf in Zagreb tätig, als er seine “geheime” künstlerische Straßenfotografie öffentlich als eine Art parallelen fotografischen Lebensstil präsentierte. Während der Entstehung des Zyklus “Mein Hut” hatte Belaj zunächst vermutlich nicht die Absicht, konzeptuelle Street-Art-Fotografie zu schaffen. In seinen Aufnahmen betonte er Inhalte, besondere Momente, dramatisches Licht und Vielschichtigkeit. Als der weiße Hut jedoch zunehmend zu einem wiederkehrenden Motiv auf nahezu jedem belichteten Film wurde, begann sich eine zutiefst persönliche Idee zu einer eigenständigen fotografischen Erzählung zu formen. Der Hut als Gegenstand der künstlerischen Fotografie wurde zum Erzähler einer persönlichen Bildgeschichte. Zwischen 2011 und 2015 – mit der Tendenz zur Fortsetzung – richtete Belaj seine tiefsten persönlichen Beobachtungen auf ästhetische Fragen, die auf der Haltung des Fotografen zur eigenen Unsichtbarkeit und Bedeutungslosigkeit gründen.

“Mein Hut” ist konzeptuell auf die fotografische Erzählung des Alltags der kroatischen Metropole ausgerichtet. Es handelt sich um einen fotografischen Essay über Existenz und Koexistenz urbaner Kultur und Subkultur. Der Hut aus dem Fotoessay “Mein Hut” fungiert als Erzähler menschlicher Qualitäten, als Objekt, das Momente und Stimmungen seines Besitzers aufzeichnet. Der Hut des Fotografen wurde zu einem Medium mit eigenen Erinnerungen und einem ausgeprägten Bewusstsein für die Vergänglichkeit der Zeit. Janko Belaj fand eine zutiefst persönliche Form der Aufzeichnung individueller Erinnerung – von Mustern der Vergangenheit, durch die er auf konzeptueller Ebene von seinem eigenen Leben erzählt. “Mein Hut” wurde zu seinem Alter Ego mit einem ausgeprägten künstlerischen Zugang zur Street-Art-Fotografie. Belaj erzeugt den Eindruck eines parallelen Zeitverlaufs, indem er die Komposition auf den Hut als Objekt im Vordergrund konzentriert, mit weit geöffneter Blende arbeitet und durch markante Linien der Bildkomposition die Objekte im Hintergrund betont. Gelegentliche Ausflüge in Natur und Landschaft bilden eine Verbindung zu anderen Bereichen seines künstlerischen Interesses. Die Objektivität des Autors legt Muster sozialen Verhaltens und urbanen Lebens auf den Straßen Zagrebs offen. Gegenstand des Interesses ist ein gewöhnlicher persönlicher Gegenstand – der Hut, den der Fotograf täglich benutzt –, der auf objektive Weise seine eigene Geschichte der alltäglichen Migration aus der Vorstadt ins Stadtzentrum erzählt: zu Märkten, Weinkellern, lokalen Bierstuben und Clubs sowie zu Wochenendausflügen ins Grün der Natur. Unglaubliche Szenen von Gehwegen und Trottoirs, Straßen und Avenuen, namenlosen wie bedeutenden Plätzen, auf denen wir wichtige historische Szenen und Erzählungen aus vergangenen Zeiten erwarten – bekannt aus kroatischen Filmen, Literatur oder neuen urbanen Legenden–, werden Teil seines persönlichen Gedächtnisses.

Das Wichtigste, was ich betonen möchte, ist, dass “Mein Hut” von Janko Belaj den Akzent auf die Namenlosigkeit legt – eine Eigenschaft, wie sie Blogs, elektronische Nachrichten sowie weithin bekannte Texte urbaner Poesie und Subkultur kennzeichnet. Auf der Suche nach grundlegenden Antworten auf die Fragen von Existenz und Existenzialismus – wie man das eigene Leben gut nutzt, wie man Glück und Ruhe findet – schuf er einen wirklich kraftvollen Zyklus konzeptueller künstlerischer Fotografie, der uns daran erinnert, dass die Zeit unwiderruflich vergeht und dass die Schönheit des Lebens uns unaufhörlich umgibt. Er fand eine konzeptuelle Verbindung zwischen seinen eigenen persönlichen Erinnerungen und dem Leben, das auf den Straßen Zagrebs vorüberzieht.