Janko Belaj

kunstfotograf

Sofort bewohnbare Landschaften

(Krešimir Oremović, für den Ausstellungskatalog 2014)

Schon ein flüchtiger Blick auf die Landschaften von Janko Belaj ruft unweigerlich die heilige Dreifaltigkeit der Filmindustrie in Erinnerung: Kameramann, Regisseur und Zuschauer.

Die “heroischen Landschaften”, mit denen er uns in der vorangegangenen Episode der Lichtschriften konfrontierte, treten in den neuesten Arbeiten noch expressiver hervor und wecken nicht ohne Grund Assoziationen an die Veduten Mittelerdes. Die Art und Weise, wie er seine Motive wählt, erinnert unweigerlich an die Handschrift von Andrew Lesnie, dem australischen Kameramann, dem wir die weltweite Faszination für die visuelle Sprache der Herr der Ringe-Trilogie verdanken.

Die gebändigte Kraft eines Gebirgsmassivs, der Dunst über einem Fluss oder die mystische Durchlichtung der Baumkronen formen eine Reihe filmischer Mise-en-scènes, die man als “sofort beziehbare Landschaften” bezeichnen könnte. Jede von ihnen bietet sich als eine Art Holodeck an, in dem man der Fantasie freien Lauf lassen kann.

Dem Betrachtenden ist dabei nicht die Rolle eines passiven Beobachters zugedacht, sondern die des Erzählers, der die vorgeschlagenen Szenen mit eigener Dramaturgie ergänzt und in der Rolle des Regisseurs aktiv an der Entstehung des finalen Ergebnisses mitwirkt.