Janko Belaj

kunstfotograf

Witz und Leistung

(Marijan Grakalić, für den Ausstellungskatalog 2013)

Die Fotografien von Janko Belaj sind leicht erkennbar an einer Reduktion, die alles Überflüssige entfernt und die Szene ohne Unklarheiten zurücklässt – scheinbar klar und rein. Doch ist es wirklich so? Mit der Ausstellung “Essen und Trinken. Vorher.” (“Iće i piće. Prije.”) führt uns der Autor in eine offensichtliche Verwirrung. Nicht deshalb, weil er seinen fotografischen Ausdruck aufgegeben oder verändert hätte, sondern weil er auf humorvolle Weise die gastrosophische Wirklichkeit erforscht. Das bekannte fotografische Verfahren der Reduktion auf das Wesentliche wird hier über das Bild hinaus verlängert – auf das Modell, das fotografiert wird, also auf das, was zuvor existierte und woraus später Speise und Trank wurden, um schließlich selbst zur Fotografie zu werden.

In diesem Spiel zwischen Kunst, Licht, Appetit, Schatten, Pflanzen, Fleisch, Gemischtem und guter Verdauung sind natürlich die Fotografien selbst das Beste. Sie verströmen den ruhigen Eindruck, dass der Künstler nicht nur sein Ausdrucksmedium gut kennt, sondern auch all das, was dem Gezeigten vorausgeht – also auch gastrosophische Dilemmata. Es fällt schwer zu entscheiden, welche der angebotenen Fotografien hier die notwendigste oder originellste ist. Irgendwo zwischen der Darstellung von “češnjovke” vor ihrem Entstehen oder etwa Hühnersuppe, Krautfleckerl oder anderen Delikatessen gebührt ein guter Teil der Popularität sicherlich jener Fotografie, die einen “Kredit für das Mittagessen” zeigt: Auf einem runden hölzernen Schneidebrett für Käse sind Kreditkarten und ein Messer arrangiert, das sich auch zum Durchschneiden von etwas Widerständigerem eignen würde.

In einer Zeit, in der Fastenzeit und Verzicht aufgrund großer Entbehrungen ihren Sinn verloren haben, weil die Menschen ohnehin darben, erhalten Jankos Fotografien auch eine Dimension, die sonst der Avantgarde vorbehalten ist – also jenen, für die Essen und Trinken nicht nur Notwendigkeit, sondern auch Herausforderung sind. Im Unterschied zu zahllosen Fotografen, die das Rot des gebratenen Fleisches eines Küchenchefs aus irgendeinem Restaurant mit Farbe anreichern oder die Lächeln angeblich zufriedener Burger-Serviererinnen inszenieren, liegt sein Interesse im künstlerischen Verfahren, das der späteren Stimmung vorausgeht. Auf diese Weise stellt er uns vor eine ästhetische Herausforderung, die sich nicht nur durch die Fotografie selbst bestätigt, sondern auch durch ihre Bedeutung, durch das Gefühl, das in uns Assoziationen an Bourbons, Gemüsesuppen oder genüsslich getrunkene Kräuterschnäpse weckt.

Einfallsreichtum und Umsetzung sind die grundlegenden Merkmale des Fotozyklus “Essen und Trinken” von Janko Belaj. Ohne Übertreibung: wirklich wunderbare Fotografien.